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09.08.2018

Clown trifft Patient: Dem Alter ein Lächeln schenken

Die Augen sind geschlossen, die Hände gefaltet. Trude ist gerade ganz weit weg, hört kaum, was um sie herum passiert. Die Rückenlehne ihres Bettes ist leicht hochgestellt, doch sie liegt mehr als das sie sitzt. Trude (Name geändert) ist weit über 90 Jahre alt und leidet an Demenz. Gelächelt hat sie kaum in den vergangenen Tagen. Ärzte und Pflegekräfte beschreiben sie als verschlossen und in sich gekehrt. Doch dann kommt Rosi. Bunter Rock, weiße Bluse, eine Schleife im Haar, dazu eine rote Clownsnase. Sie nimmt Trudes Hand. Die Augen öffnen sich. Es braucht ein paar Minuten, doch dann ist das Eis gebrochen. Am Ende lächeln beide. Trude, mit einer Rose in der Hand. Und Rosi, die gemeinsam mit ihrem Mann Radolfo an diesem Tag als Geronto-Clown die Geriatrie-Patienten im Brüderkrankenhaus Montabaur besucht.

Clown trifft Patient: Dem Alter ein Lächeln schenken

„Wenn ich das sehe, bekomme ich immer noch Gänsehaut. Und ich mache das jetzt seit 20 Jahren“, sagt Vera Apel-Jösch. Als Clown-Doktorin kennt sie die Situation nur zu gut: In ein Krankenzimmer gehen ohne zu wissen, was einen erwartet. Über Wochen hat sie Rosi und Radolfo ausgebildet und bestmöglich auf diesen Moment vorbereitet. Die beiden sind auch im wahren Leben ein Paar: Eva und Dieter Hambitzer kommen aus dem Westerwald. Und schaffen es nun, sehr schnell einen emotionalen Kontakt zu den Patienten herzustellen.

„Die Geronto-Clowns sind ein Projekt der Landeszentrale für Gesundheitsförderung“, sagt Apel-Jösch. 16 Krankenhäuser im ganzen Land machen mit. Früher kannte man den Besuch von Clown-Doktoren nur auf Kinderstationen. Doch seit wenigen Jahren gibt es die Idee, auch an Demenz erkrankte Menschen zu besuchen. „Denn das Herz und die Gefühle erkranken nicht an Demenz“, sagt Vera Apel-Jösch. „Was wir hier heute erleben ist ein wunderbares Beispiel dafür. Die rote Nase ist der Türöffner für den ersten emotionalen Kontakt. Wir trainieren im Vorfeld ganz viel Liebesfähigkeit und Wahrnehmung, um auf die Menschen ideal eingehen zu können.“ Einzelne Pflegerinnen waren vor dem Besuch skeptisch, zeigen sich jetzt erstaunt über die Reaktion der Patientinnen. Und auch der Chefarzt ist fasziniert: „So intensiv habe ich die Dame noch nie lächeln gesehen“, sagt Dr. Ralph Schulz.

Ein weiteres Krankenzimmer, eine weitere Patienten, die gerne in sich gekehrt ist. Rosi und Radolfo finden mit ihrer offen, fröhlichen und durchaus auch lauten Art sofort einen persönlcihen Zugang. „Wir könnten ja Geschwister sein“, flachst Radolfo. „Wir sind doch im gleichen Alter.“ Alle drei lachen laut und herzlich. Wenig später wird ein gemeinsames Lied angestimmt. Es sind Momente wie diese, die Ärzten und Pflegekräften das Herz öffnet. Natürlich bleibt im medizinisch-pflegerischen Alltag nicht die Zeit, ständig mit einer roten Clownsnase über die Station zu laufen. Aber die Geronto-Clowns werden mit ihren Besuchen das Leben auf der Station beleben.

„Uns ist ganz wichtig zu unterstreichen, dass wir die älteren Menschen hier nicht für doof verkaufen“, sagt Vera Apel-Jösch. „Ein Vorwurf, den man immer mal wieder hört.“ Er kann nur von Menschen kommen, die Momente wie an diesem Vormittag auf der Geriatrie-Station noch nicht selbst miterlebt haben. Die Pflegekräfte und auch die Mediziner sind am Ende fasziniert von dem, was Rosi und Radolfo erreicht haben. Ab sofort werden die beiden ehrenamtlichen Geronto-Clowns regelmäßig im Brüderkrankenhaus Station machen, um die Patienten auf der Geriatrie-Station zu besuchen. „Wir möchten die Besuche als Teil der Behandlung etablieren“, sagt Vera Apel-Jösch. „Und wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit“, sagt Dr. Ralph Schulz. „Für unsere Patienten ist das eine sehr willkommene und schöne Abwechslung.“

 
 
 
 
 
 

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