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20.11.2020

KKM-Chefärzte im Hintergrundinterview mit dem SWR

KKM-Chefärzte im Hintergrundinterview mit dem SWR

Die beiden KKM-Chefärzte Dr. med. Jutta Kappes (Chefärztin der Pneumologie und Leiterin des Lungenkrebszentrums gemeinsam mit Priv.-Doz. Dr. med. Martin Hürtgen) und Priv.-Doz. Dr. med. Felix Post (Chefarzt der Inneren Medizin/Kardiologie) haben dem Südwestrundfunk für ein ausführliches Interview zur derzeitigen Lage rund um die Corona-Pandemie zur Verfügung gestanden. Der SWR hat dieses Interview heute unter anderem online und in Auszügen im Hörfunk veröffentlicht.

In dem Hintergrundgespräch mit dem SWR ging es unter anderem um den Arbeitsalltag unter Corona-Bedingungen und die Art und Weise, wie Corona-Patienten am Katholischen Klinikum Koblenz · Montabaur behandelt werden. Den Link zum gesamten Interview finden Sie am Ende dieses Artikels, einige Passagen hier als kurzer Auszug:

SWR Aktuell: Kanzlerin Merkel hat vor einigen Tagen gesagt, es werde ein harter Winter, der auf uns zukommt. Trifft das im übertragenen Sinne auch auf Ihre Klinik zu?

Jutta Kappes: Momentan sehen wir natürlich, dass die Infektionszahlen steigen. Und wenn COVID-19 nicht durch entsprechende Abstandsregelungen eingedämmt wird, wird es ein sehr harter Winter werden. Dann wird es eng mit unseren Kapazitäten. Unsere Aufgabe ist es, nicht nur die kranken Menschen zu behandeln, sondern auch präventiv zu arbeiten, damit eben dieser "Super Gau", den andere Länder erlebt haben, hier nicht passiert. Dafür müssen wir alle zusammenarbeiten, verzichten und Rücksicht nehmen.

SWR Aktuell: Wie sieht es mit den Covid-Patienten aus? Gibt es jetzt im Vergleich zur ersten Welle Unterschiede bei den Erkrankten, die Sie behandeln?

Felix Post: Ich glaube, die Patienten haben sich gar nicht geändert. Das Verhalten hat sich geändert. Vor allem Ältere und Risikopatienten passen jetzt viel, viel mehr auf und erkranken deshalb seltener. Aber die jungen Leute haben jetzt scheinbar alle gelernt: "Covid ist gar nicht schlimm für uns. Wir überleben das sowieso. Wir sind keine Risikopatienten." Aber das ist Blödsinn. Und darum bekommen wir jetzt mehr jüngere Patienten mit schwerem Verlauf.

SWR Aktuell: Sie sind fachlich ja in Kontakt mit anderen Kollegen in Koblenz. Tauschen Sie sich auch in Rheinland-Pfalz, Deutschland oder weltweit mit Medizinern aus?

Felix Post: Das tun wir. Wir tauschen uns regelmäßig aus mit Kollegen. Dies ist auch wichtig, um zu versuchen aus den verschiedenen lokalen Daten und Erfahrungen ein größeres Bild zu entwickeln, bzw. von den Erfolgen und auch Fehlern anderer zu lernen.

Jutta Kappes: Ja, das beschäftigt uns schon stark. Die Lunge ist ein relativ kleines Fachgebiet. Das heißt, man kennt sich, telefoniert mit Kollegen national und international. Zu Beginn war der Austausch mit den italienischen Kollegen das Erste, was wir von wirklich betroffenen Ärzten erfahren konnten. Daher hatten wir auch die ersten schriftlichen, sozusagen Erlebnisberichte, die wir dann gemeinsam bewertet haben. Unser Ziel war es, die Menschen davor zu bewahren, dass es so schwere Krankheitsverläufe gibt, wie sie in Italien stattgefunden haben. Wir haben uns teilweise jeden Tag getroffen, interdisziplinär, also Kardiologie, Anästhesie und Pneumologie, Chefärzte und Oberärzte und die Therapiestrategie festgelegt. Wir versuchen eigentlich nur diesen Sturm zu überstehen.

SWR Aktuell: Zusammenfassend - was ist Ihr Appell?

Felix Post: Also mein Appell geht an die Politik. Es wäre toll, wenn sich Bund und Länder mal einigen können, wie wir das auch jeden Tag müssen. Es wäre total toll, man würde mit einer Stimme sprechen und nicht alles vorzeitig an die Zeitungen durchstecken. Und der nächste Appell ist an die Bevölkerung. Wenn man die Zeitung liest, hat man das Gefühl, ganz Deutschland demonstriert gegen die Corona-Maßnahmen. Das ist aber nicht so. Die Mehrheit tut dies nicht Aber man sollte nicht nur auf die Lauten hören, sondern dann wirklich mal gucken, wie weit bist du wirklich bedroht? Es gibt Bereiche, denen geht es sehr, sehr, sehr schlecht. Messebauer, Gastronomen, Hotelbesitzer und andere. Aber die Mehrheit ist nicht dramatisch betroffen, nur weil sie Maske tragen muss und nicht in den Urlaub fahren darf.

Jutta Kappes: Es wäre fatal, wenn dieser Virus wie ein Flächenbrand durch das Land zieht trotz unserer vielen Betten. Davor müssen wir uns alle schützen, vor einer Überlastung der medizinischen Kapazitäten. Patienten nicht mehr versorgen zu können und selbst an die Grenzen der körperlichen und seelischen Leistungsfähigkeit zu kommen. Davor habe ich wirklich Angst. Und deswegen ist es umso wichtiger, dass man die Abstandsregeln einhält und die Maskenpflicht ernst nimmt. Denn das hilft wirklich. Wenn wir uns alle daran halten, kann das Gesundheitssystem auch alle Patienten versorgen und jedem die Hilfe geben, die notwendig ist. Das ist unser Job und den machen wir gerne.

Das Interview führte Mike Roth (SWR)

Hier klicken für das Doppel-Interview in Gesamtlänge


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