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14.03.2021

Werner Hohmann: „Habe größten Respekt vor unseren Mitarbeitenden“

Werner Hohmann: „Habe größten Respekt vor unseren Mitarbeitenden“

Ein Jahr Corona am Katholischen Klinikum Koblenz Montabaur: Im Interview blickt Werner Hohmann, Hausoberer am KKM, auf ein bewegendes und schwieriges Jahr zurück. Der Theologe berichtet davon, wie er die Dienstgemeinschaft des Klinikums in der Pandemie erlebt hat. Und er beantwortet die Frage: Corona und Ethik - wie passt das zusammen?

Herr Hohmann, wie haben Sie in Ihrer Funktion als Hausoberer am Katholischen Klinikum die bisherige Corona-Pandemie erlebt?

Ich weiß noch genau, wie im Februar und März des vergangenen Jahres uns die Ereignisse und Entwicklungen förmlich überrollt haben. Die Pandemie hat uns alle, in allen Lebenslagen, kalt erwischt und innerhalb weniger Tage sämtliche Themen, mit denen wir uns sonst so beschäftigt haben, in den Hintergrund gerückt. Es gab nur noch das eine große Thema: Corona. Eine Situation, der wir uns in der Form noch nie stellen mussten und die fast all unsere Aufmerksamkeit benötigte.

War für Sie persönlich sofort klar, dass uns dieses Thema sehr lange beschäftigen würde?

Das wurde sehr schnell immer klarer. Ich erinner mich noch daran, als Ende März einer unserer Chefärzte sagte: Wenn mir jemand vor einem Monat gesagt hätte, womit wir uns heute beschäftigen, dann hätte ich das für unmöglich gehalten. Corona hat uns gezeigt, dass wir uns plötzlich mit dem Undenkbaren beschäftigen mussten und es sicherlich noch eine Zeit lang tun werden.

Wie haben Sie die Phase zwischen Sommer und Winter erlebt? In Koblenz arbeiten die fünf Kliniken sehr eng zusammen, dort lagen im Sommer zum Teil nur ein oder zwei Corona-Patienten stationär. Im Winter, mittendrin in der zweiten Welle, waren es dann plötzlich deutlich mehr als 100 stationäre Patienten zur gleichen Zeit. Hatten Sie im Sommer die Hoffnung, vielleicht haben wir das Schlimmste überstanden? Oder war Ihnen klar: Da kommt noch was?

Wir hatten natürlich eine Vorahnung, dass da noch etwas kommen würde. Ich erinner mich noch sehr gut an einen Newsletter des Direktoriums für unsere Mitarbeitenden, in dem wir uns lange Gedanken gemacht haben, welche Botschaft uns im Vorwort wichtig ist. Wir haben uns damals für ein Bild entschieden, in dem man einen Menschen bei einem Drahtseilakt sieht - ohne Netz und doppelten Boden. Der Mensch bewegt sich und droht jeden Moment herunterzufallen, weil er keinen Halt hat. Wir alle hatten die Hoffnung auf Halt und darauf, nicht abzustürzen. Und in der Tat haben wir dann eine sehr intensive zweite Welle erlebt. Ich musste in diesen Wochen oft an das Bild aus dem vergangenen Sommer denken.

Das Direktorium des Katholischen Klinikums (von links): Werner Hohmann (Hausoberer), Jérôme Korn-Fourcade (Kaufmännischer Direktor), Dr. med. Martin Haunschild (Ärztlicher Direktor), Thomas Geltenpoth (Pflegedirektor).

Was waren und sind bis heute die schwierigsten Entscheidungen, die zu treffen sind?

Die schwierigste Entscheidung, die uns zu Beginn des Lockdowns sehr beschäftigt hat, war die Frage der Triage, die wir aber Gott sei Dank nie treffen mussten. Mich als Hausoberen und auch die Kolleginnen und Kollegen im Ethikkomitee hat in dieser Zeit natürlich die Frage beschäftigt, welche Hilfestellungen könnten wir unseren Mitarbeitenden für solch schwierige Entscheidungen anbieten. Für mich besonders schwierig waren zudem natürlich alle Entscheidungen rund um den Lockdown des Klinikums, als wir unsere Türen schließen mussten für Besucher und werdende Väter, die nicht bei der Geburt ihres Kindes dabei sein durften. Und als wir uns die Frage stellen mussten. wie wir mit Besuchern von sterbenden Menschen umgehen. Das war eine sehr schwere und herausfordernde Zeit.

Mit dem Wissen um solch schwierige Entscheidungen: Wie gut kann man Corona und Ethik überhaupt miteinander verbinden?

Corona und Ethik kann man gar nicht miteinander verbinden, weil Corona eigentlich ein Frontalangriff auf jeden ethischen Diskurs ist. Nach der Lehre der Medizinethik gibt es verschiedene ethische Prinzipien, die dem Patienten helfen sollen - und eben nicht schaden. Angesichts von Corona mussten wir aber die Autonomie des Patienten einschränken, was sehr schwierig war und ist. Gott sei Dank haben wir am Katholischen Klinikum ein sehr gut funktionierendes und engagiertes Ethikkomitee, in dem wir sehr viele Fragestellungen diskutiert und abgewogen haben. Aber das war nie einfach.

Wie haben Sie die Mitarbeitenden in diesem Jahr der Pandemie erlebt?

Ich habe unsere Dienstgemeinschaft als außerordentlich stark erlebt. Und das, obwohl die Situation oft sehr angespannt und die Angst auch sehr groß war oder ist. Ich habe höchsten Respekt davor, wie konzentriert und engagiert unsere Mitarbeitenden in allen Bereichen agieren. Wenn ich mir die Rückmeldungen der Patienten anschaue, dann tauchen dort immer wieder die gleichen Aussagen auf: sehr freundlich und zugewandt, trotz der enormen Pandemie-Belastung. Vor dem, was unsere Dienstgemeinschaft leisten, habe ich den höchsten Respekt!

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass die Impfkampagne erfolgreich, oder vielleicht auch noch ein bisschen erfolgreicher weitergeht. Ich wünsche mir, dass wir etwas vorausschauender mit der Pandemie umgehen können und dass die Strategien, die auch von politischer Seite angegangen werden, erfolgreich sind. Zudem wünsche ich mir, dass wir finanziell schnell wieder eine Perspektive haben, die unsere wirtschaftlichen Grundlagen sichert. Für alle Mitarbeitenden und Menschen in der Region wünsche ich mir abschließend natürlich, dass sie alle gesund bleiben. Und sollten Sie dennoch unsere Hilfe benötigen, dann sind wir für Sie da!

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