17.05.2022
HPV-Viren: Ausstellung schafft Bewusstsein
„HPV hat viele Gesichter“ – so heißt eine Wanderausstellung des Deutschen Krebsforschungszentrums, die noch bis zum 29. Mai 2022 im Marienhof des Katholischen Klinikums in Koblenz zu sehen ist. HPV? Viele werden sich fragen, wofür diese drei Buchstaben stehen. Genau das beantwortet die Ausstellung, denn auch wenn HPV viele Gesichter hat, wissen noch immer viel zu wenige Menschen etwas über die Gefahren und die Möglichkeiten der Prävention.
Dirk Rohde ist Betroffener. Zur Eröffnung der Ausstellung ist er extra aus Köln angereist. HPV? „Davon hatte ich bis zu meiner Erkrankung noch nie etwas gehört.“ 2015 erkrankt er an „Humanen Papillomviren“. Dass diese Viren Gebährmutterhalskrebs verursachen können, ist besonders bei Frauen bekannt. Aber dass sie auch Kopf-Hals-Tumore auslösen können (in Mundhöhle, Nase, Nebenhöhle, Rachen, Speicheldrüsen oder Kehlkopf) ist weniger bekannt.
Rohde erkrankte ganz konkret an Zungengrund-Krebs. Die Ursache war HPV16. „Ich musste mich mehreren Operationen und einer achtwöchigen Chemo-Strahlentherapie unterziehen. Heute lebe ich mit nur einer halben Zunge und erheblichen Einschränkungen. Hätte es zu meiner Zeit eine Impfung gegen HPV gegeben, wäre mir viel Leid erspart geblieben.“

Dirk Rohde ist nur einer von vielen Betroffenen, die im Rahmen der Wanderausstellung über ihr persönliches Schicksal berichten. Dass er extra nach Koblenz gekommen ist, unterstreicht wie wichtig ihm die Aufklärung ist: „Eine HPV-Impfung kann einfach Leben retten und viel Leid verhindern. Ich selbst wurde acht Mal operiert, dazu die Chemo-Therapie. Das alles war nötig, damit ich überhaupt eine Chance hatte zu überleben.“
Die Ständige Impfkommission empfiehlt seit dem Jahr 2018, dass sich neben jungen Frauen auch junge Männer gegen HPV-Viren impfen lassen sollten. „Aber die Impfquote bei Männern liegt im einstelligen Bereich, bei Frauen bei rund 46 Prozent. Das ist zu wenig“, beklagt Rohde. „Deshalb bin ich hier und engagiere mich. Wir müssen Bewusstsein schaffen. Die Impfung kann großes Leid vermeiden und Menschenleben schützen.“
HPV ist eine Gruppe von an sich harmlosen Viren. Aber es gibt ein paar davon, die sich mit als förderfähig für die Entstehung von Krebs herausgestellt haben“, sagt Prof. Dr. med. Jan Maurer, Chefarzt der Klinik für HNO-Heilkunde, Gesichts-, Kopf-. Hals- und Schädelbasischirurgie am KKM. „Diese Viren sind möglicherweise nicht alleine für die Entstehung von Krebs verantwortlich, sie können aber ein wichtiger Co-Faktor sein."

Umso wichtiger sei die Aufklärung: „Zunächst hat man HPV-Viren bei jungen Frauen entdeckt, die an Gebährmutterhalskrebs leiden. Sehr schnell war klar, dass eine Impfung schützen kann. In den vergangenen Jahren hat sich herausgestellt, dass ein Teil der Krebsarten im Kopf-Hals-Bereich ebenfalls von HPV-Viren ausgelöst werden können. Und auch hier gibt es gute Chancen, sich durch eine Impfung zu schützen. Wir wollen mit der Ausstellung nun also nicht nur junge Frauen, sondern auch junge Männer für das Thema sensibilisieren.“
„HPV hat viele Gesichter“ ist eine Wanderausstellung des Deutschen Krebsforschungszentrums, der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Krebsgesellschaft in Zusammenarbeit mit Preventa und präsentiert vom Selbsthilfenetzwerk „Kopf-Hals-Mundkrebs e.V.“, deren Koblenzer Selbsthilfegruppe von Ingrid Lakotta geleitet wird (Telefon 0261/76351).
Die Besichtigung der Ausstellung ist kostenfrei. Bitte beachten Sie beim Betreten des Marienhofs die aktuellen Hygieneregeln, die am Eingang ausgehangen sind.



