09.03.2026

Kunstprojekt aus der JVA Diez im Brüderkrankenhaus ausgestellt

Kunstprojekt aus der JVA Diez im Brüderkrankenhaus ausgestellt

Ungewöhnliche Kunstwerke zieren seit Kurzem das Foyer des Brüderkrankenhauses Montabaur: Drei Acrylbilder, geschaffen von Strafgefangenen der Justizvollzugs- und Sicherungsverwahranstalt (JVA) Diez, wurden dem Krankenhaus als Geschenk überreicht. Die Bilder sind Teil eines besonderen Projekts, das Inhaftierten einen kreativen Zugang eröffnen und gleichzeitig soziale Verantwortung fördern soll.

Initiiert wurde das Projekt von Jessica Schlegel, Vollzugsabteilungsleiterin in der JVA Diez. Finanziell unterstützt wird das Vorhaben vom Diezer-Verein e. V., dem Hilfe- und Förderverein der Justizvollzugsanstalt. Ziel der Initiative ist es, den Gefangenen über die künstlerische Arbeit neue Ausdrucksmöglichkeiten zu eröffnen und ihnen Impulse für ihre persönliche Entwicklung zu geben.

Die Resonanz unter den Inhaftierten entwickelte sich zunächst eher zurückhaltend. Kunst galt für einige anfangs als „unmännlich“ oder überflüssig. Mit fortschreitender Projektdauer wuchs jedoch das Interesse deutlich: Immer mehr Gefangene beteiligten sich aktiv an der künstlerischen Arbeit. Für die Teilnehmer bietet das Projekt eine Möglichkeit, dem monotonen Haftalltag zeitweise zu entkommen. Nach Aussagen eines Inhaftierten hilft die kreative Tätigkeit dabei, Gedanken zu ordnen, depressive Phasen zu lindern und neue Perspektiven zu entwickeln. Auch der Austausch und die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe stärken soziale Kompetenzen und fördern einen respektvollen Umgang miteinander.

Jessica Schlegel von der JVA Diez erläutert Matthias Kollecker (von links) und Krankenhausseelsorger Thomas Müller das Kunstwerk.
Jessica Schlegel von der JVA Diez erläutert Matthias Kollecker (von links) und Krankenhausseelsorger Thomas Müller das Kunstwerk.

Fachlich wird Kunst im Strafvollzug zunehmend als ergänzendes Instrument der Resozialisierung betrachtet. Gerade für Menschen, denen es schwerfällt, sich in klassischen Gesprächs- oder Therapieangeboten zu öffnen, kann künstlerisches Arbeiten eine wichtige Brücke sein und den Einstieg in weiterführende Behandlungsmaßnahmen erleichtern. Neben weiteren Einzelwerken ist derzeit auch ein großformatiges Gemeinschaftsbild der Inhaftierten in Planung.

Die im Brüderkrankenhaus Montabaur ausgestellten Werke sollen nicht nur die Kreativität der beteiligten Gefangenen sichtbar machen, sondern auch ein Zeichen für gesellschaftliche Verantwortung und zweite Chancen setzen.

„Wir danken den Initiatoren und den beteiligten Künstlern aus der JVA Diez herzlich für diese besondere Geste“, sagt Matthias Kollecker, stellvertretender Direktor Unternehmenskultur am Brüderkrankenhaus Montabaur. „Die Bilder stehen für mehr als nur kreative Arbeit. Sie zeigen, dass Veränderung möglich ist und dass Kunst Menschen verbinden kann – selbst über institutionelle Grenzen hinweg. Dass diese Werke nun im Foyer unseres Krankenhauses zu sehen sind, lädt Patientinnen und Patienten, Besucherinnen und Besucher sowie unsere Mitarbeitenden dazu ein, sich mit dieser Idee auseinanderzusetzen.“