09.03.2026
Kunstprojekt aus der JVA Diez im Brüderkrankenhaus ausgestellt

Ungewöhnliche Kunstwerke zieren seit Kurzem das Foyer des Brüderkrankenhauses Montabaur: Drei Acrylbilder, geschaffen von Strafgefangenen der Justizvollzugs- und Sicherungsverwahranstalt (JVA) Diez, wurden dem Krankenhaus als Geschenk überreicht. Die Bilder sind Teil eines besonderen Projekts, das Inhaftierten einen kreativen Zugang eröffnen und gleichzeitig soziale Verantwortung fördern soll.
Initiiert wurde das Projekt von
Jessica Schlegel, Vollzugsabteilungsleiterin in der JVA Diez. Finanziell
unterstützt wird das Vorhaben vom Diezer-Verein e. V., dem Hilfe- und
Förderverein der Justizvollzugsanstalt. Ziel der Initiative ist es, den
Gefangenen über die künstlerische Arbeit neue Ausdrucksmöglichkeiten zu
eröffnen und ihnen Impulse für ihre persönliche Entwicklung zu geben.
Die Resonanz unter den
Inhaftierten entwickelte sich zunächst eher zurückhaltend. Kunst galt für
einige anfangs als „unmännlich“ oder überflüssig. Mit fortschreitender
Projektdauer wuchs jedoch das Interesse deutlich: Immer mehr Gefangene
beteiligten sich aktiv an der künstlerischen Arbeit. Für die Teilnehmer bietet
das Projekt eine Möglichkeit, dem monotonen Haftalltag zeitweise zu entkommen.
Nach Aussagen eines Inhaftierten hilft die kreative Tätigkeit dabei, Gedanken
zu ordnen, depressive Phasen zu lindern und neue Perspektiven zu entwickeln.
Auch der Austausch und die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe stärken soziale
Kompetenzen und fördern einen respektvollen Umgang miteinander.

Fachlich wird Kunst im
Strafvollzug zunehmend als ergänzendes Instrument der Resozialisierung
betrachtet. Gerade für Menschen, denen es schwerfällt, sich in klassischen
Gesprächs- oder Therapieangeboten zu öffnen, kann künstlerisches Arbeiten eine
wichtige Brücke sein und den Einstieg in weiterführende Behandlungsmaßnahmen
erleichtern. Neben weiteren Einzelwerken ist derzeit auch ein großformatiges Gemeinschaftsbild
der Inhaftierten in Planung.
Die im Brüderkrankenhaus Montabaur
ausgestellten Werke sollen nicht nur die Kreativität der beteiligten Gefangenen
sichtbar machen, sondern auch ein Zeichen für gesellschaftliche Verantwortung
und zweite Chancen setzen.
„Wir danken den Initiatoren und den beteiligten Künstlern aus der
JVA Diez herzlich für diese besondere Geste“, sagt Matthias Kollecker,
stellvertretender Direktor Unternehmenskultur am Brüderkrankenhaus Montabaur.
„Die Bilder stehen für mehr als nur kreative Arbeit. Sie zeigen, dass
Veränderung möglich ist und dass Kunst Menschen verbinden kann – selbst über
institutionelle Grenzen hinweg. Dass diese Werke nun im Foyer unseres
Krankenhauses zu sehen sind, lädt Patientinnen und Patienten, Besucherinnen und
Besucher sowie unsere Mitarbeitenden dazu ein, sich mit dieser Idee
auseinanderzusetzen.“


