13.01.2026

Das Delir zählt zu den häufigsten und zugleich herausforderndsten Komplikationen im Krankenhausalltag. Besonders ältere, schwer erkrankte und multimorbide Patienten sind betroffen. Umso wichtiger sind eine frühzeitige Erkennung, gezielte Prävention und ein strukturierter Umgang mit dieser akuten Bewusstseins- und Wahrnehmungsstörung. Am Katholischen Klinikum Koblenz · Montabaur wird das Thema Delir systematisch und interdisziplinär bearbeitet – mit wachsender Bedeutung auch über die Intensivmedizin hinaus.
Bereits im Jahr 2015 wurde für die Intensivstationen eine interdisziplinäre
Delirgruppe ins Leben gerufen. Diese setzt sich kontinuierlich mit Prävention,
Diagnostik und Therapie des Delirs im intensivmedizinischen Kontext
auseinander. Ziel ist es, Risikopatienten frühzeitig zu identifizieren,
Delirverläufe zu reduzieren und betroffene Patienten bestmöglich zu begleiten.
Im Rahmen dieser Arbeit wurden zentrale Instrumente entwickelt, die heute fest
im klinischen Alltag verankert sind.
Strukturierte Instrumente
für mehr Patientensicherheit
Ein wichtiger Baustein ist der Deliranamnesebogen.
Dieses strukturierte Erfassungsinstrument macht bereits bei der Aufnahme
relevante Risikofaktoren und Vorerkrankungen sichtbar. So können präventive
Maßnahmen frühzeitig eingeleitet werden. Ergänzt wird dies durch das Intensivtagebuch, das den
Behandlungsverlauf dokumentiert und Abläufe verständlich erklärt. Es
unterstützt Patienten und Angehörige dabei, die oftmals fragmentarischen
Erinnerungen an die Intensivzeit einzuordnen und zu verarbeiten, und kann nach
einem Delir zur Orientierung und Stabilisierung beitragen.
Durch den demografischen Wandel, steigende Fallschwere und zunehmende
Multimorbidität gewinnt das Thema Delir auch auf den Normalstationen zunehmend
an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund wurde ein Projekt gestartet, um die
Delirkompetenz gezielt auf periphere Stationen auszuweiten und Mitarbeitende
für das Thema zu sensibilisieren. Als erste Pilotstation hat sich die Station
Innere 5/6 am Marienhof bereit erklärt, diesen Weg mitzugehen. Hier werden neue
Ansätze erprobt, darunter:
Die gewonnenen Erkenntnisse sollen perspektivisch auf weitere Stationen
übertragen werden.
Fortbildung als
Startschuss
Der offizielle Start des Pilotprojekts erfolgte mit einer
Fortbildungsveranstaltung im Dezember 2025. Linda Minge und Sebastian Nicolay
vermittelten dabei praxisnahes Grundlagenwissen rund um das Delir. Thematische
Schwerpunkte waren unter anderem:
Zunehmend in den Fokus rückt auch das sogenannte Snoezelen. Dieser multisensorische Ansatz nutzt Licht, Klänge,
Düfte und taktile Reize, um eine beruhigende Umgebung zu schaffen. Bei
delirgefährdeten oder desorientierten Patienten kann Snoezelen dazu beitragen,
Stress und Angst zu reduzieren, Überreizung zu vermeiden und Orientierung sowie
Wahrnehmung sanft zu stabilisieren. Damit stellt es eine wertvolle Ergänzung zu
pflegerischen und medizinischen Maßnahmen dar.
Mit der Ausweitung der Delirarbeit auf die Normalstationen verfolgt das
Katholische Klinikum Koblenz · Montabaur das Ziel, Delir frühzeitig zu
erkennen, präventiv zu handeln und die Versorgungsqualität für Patienten
nachhaltig zu verbessern. Die Delirgruppe leistet damit einen wichtigen Beitrag
zur Patientensicherheit und zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der
klinischen Versorgung.