01.10.2026

Wenn das Herz aus dem Takt gerät: Hochspezialisierte Rhythmusmedizin am KKM

Wenn das Herz aus dem Takt gerät: Hochspezialisierte Rhythmusmedizin am KKM

Wenn das Herz plötzlich rast, unregelmäßig schlägt oder immer wieder aus dem Takt gerät, braucht es nicht nur eine genaue Diagnose. Bei komplexen Herzrhythmusstörungen sind hochspezialisierte Erfahrung, moderne Medizintechnik und eingespielte Strukturen entscheidend. Genau diese Voraussetzungen sind am Marienhof des Katholischen Klinikums Koblenz · Montabaur seit vielen Jahren vorhanden. Nun wird dies auch im Rahmen der neuen Krankenhausplanung des Landes Rheinland-Pfalz sichtbar: Für den Standort Koblenz ist die Zuweisung der Leistungsgruppe EPU/Ablation erfolgt.

Hinter der auf den ersten Blick technischen Bezeichnung verbirgt sich ein hochspezialisierter Bereich der modernen Herzmedizin. EPU steht für elektrophysiologische Untersuchung. Dabei werden dünne Katheter über Gefäße bis in das Herz vorgeschoben. Elektrische Signale können direkt im Herzen aufgezeichnet und Herzrhythmusstörungen gezielt ausgelöst und analysiert werden. Wird dabei der Ursprungsort einer Rhythmusstörung identifiziert, kann häufig unmittelbar in derselben Sitzung eine Katheterablation erfolgen: Das für die Rhythmusstörung verantwortliche Gewebe wird gezielt behandelt.

„Die Elektrophysiologie erlaubt uns, gewissermaßen direkt in das elektrische System des Herzens hineinzuschauen“, erklärt Dr. med. Osman Balta, Chefarzt der Klinik für InnereMedizin/Elektrophysiologie & Rhythmologie am Marienhof Koblenz. „Entscheidend ist, die Ursache einer Rhythmusstörung möglichst präzise zu lokalisieren und dann für jeden einzelnen Patienten die passende Therapie festzulegen.“

Eine Leistungsgruppe mit hohen Anforderungen

Mit der Krankenhausreform werden medizinische Leistungen künftig stärker über sogenannte Leistungsgruppen strukturiert. Für jede dieser Gruppen sind bundesweit Qualitätsvoraussetzungen definiert. Bei EPU/Ablation betreffen diese nicht nur das eigentliche Katheterverfahren, sondern auch das medizinische Umfeld.

Vorausgesetzt werden unter anderem fachärztliche Kompetenz in Innerer Medizin und Kardiologie, eine kontinuierliche fachärztliche Verfügbarkeit sowie technische Möglichkeiten wie 12-Kanal-EKG, Echokardiographie, transösophageale Echokardiographie und jederzeit verfügbare Computertomographie. Gleichzeitig müssen weitere leistungsfähige Strukturen – darunter Allgemeine Innere Medizin und eine komplexe Intensivmedizin – am Standort vorhanden sein. Auch die enge Verzahnung mit Interventioneller Kardiologie und der Versorgung mit kardialen Implantaten gehört zu diesem Versorgungssystem.

Die vom Land Rheinland-Pfalz veröffentlichte Planung beruht dabei auf einer umfangreichen Prüfung. Mehr als 1.200 Gutachten des Medizinischen Dienstes wurden landesweit zur Beurteilung der bundesweit geltenden Strukturqualitätsanforderungen herangezogen. Zusätzlich spielten unter anderem Fallzahlen, Versorgungsbedarf und regionale Versorgungsstrukturen eine Rolle.

„Eine solche Zuweisung ist deshalb weit mehr als eine formale Einordnung“, sagt Balta. „Sie zeigt, dass hochspezialisierte Medizin immer ein Zusammenspiel vieler Faktoren ist: qualifizierte Mitarbeitende, moderne Technik, Erfahrung, intensive medizinische Zusammenarbeit und Strukturen, auf die wir im entscheidenden Moment zuverlässig zurückgreifen können.“

Dr. med. Osman Balta

Internationales Zentrum für Vorhofflimmerablationen

Die Klinik für Elektrophysiologie und Rhythmologie am Marienhof verfügt über 36 Betten und behandelt das gesamte Spektrum von Herzrhythmusstörungen. Das KKM führt die Abteilung als Internationales Zentrum für Vorhofflimmerablationen. Im hochmodern ausgestatteten Katheterlabor werden täglich Pulmonalvenenisolationen bei symptomatischem Vorhofflimmern sowie weitere komplexe elektrophysiologische Eingriffe durchgeführt.

Auch die Ausbildung anderer Mediziner gehört zur Arbeit der Klinik. Aufgrund ihrer Expertise kommen nationale und internationale Ärztinnen und Ärzte nach Koblenz, um Verfahren der modernen Elektrophysiologie kennenzulernen. Unter anderem waren bereits erfahrene Ärzte aus Australien am Marienhof zu Gast, um bei Live-Ablationen ein dort bislang wenig verbreitetes Verfahren zu erlernen.

Die Klinik gehört darüber hinaus zu den frühen von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie zertifizierten Ausbildungsstätten in diesem Bereich.

„Medizinische Qualität entwickelt sich nicht dadurch weiter, dass man stehen bleibt“, betont Balta. „Unser Anspruch ist es, etablierte Verfahren auf sehr hohem Niveau anzuwenden und gleichzeitig neue Entwicklungen kritisch zu prüfen und dort einzusetzen, wo sie einen echten Nutzen für unsere Patientinnen und Patienten haben.“

Moderne Verfahren – von der Ablation bis zur Device-Therapie

Zur hohen Spezialisierung der Klinik gehört neben der Katheterablation auch die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Herzschrittmachern, implantierbaren Defibrillatoren (ICD) und Systemen zur kardialen Resynchronisationstherapie (CRT). Gerade bei bestimmten Formen der Herzinsuffizienz können solche Systeme dazu beitragen, die Pumpfunktion des Herzens zu unterstützen und gefährliche Rhythmusstörungen zu behandeln. Das KKM verfügt in diesem Bereich über langjährige Erfahrung und spezialisierte Ambulanzen für die Nachsorge von Schrittmacher-, ICD- und CRT-Patienten.

„Die Device-Therapie hat in der modernen Rhythmologie einen hohen Stellenwert und entwickelt sich kontinuierlich weiter“, sagt Chefarzt Dr. med. Osman Balta. „Unser Anspruch ist es, neue Verfahren frühzeitig zu prüfen und unseren Patientinnen und Patienten dort zugänglich zu machen, wo sie einen echten medizinischen Nutzen bieten.“

Ein Beispiel für diese kontinuierliche Weiterentwicklung ist auch die am KKM etablierte Pulsed Field Ablation zur Behandlung von Vorhofflimmern. Sie arbeitet nicht mit Hitze oder Kälte, sondern mit kurzen elektrischen Impulsen und ermöglicht eine gezielte Behandlung des verantwortlichen Herzgewebes unter möglichst weitgehender Schonung angrenzender Strukturen.

Dr. med. Osman Balta

Erfahrung ist bei komplexen Rhythmusstörungen entscheidend

Herzrhythmusstörungen können sehr unterschiedliche Ursachen und Auswirkungen haben. Manche Patienten bemerken lediglich gelegentliches Herzstolpern. Andere leiden unter ausgeprägtem Herzrasen, Luftnot, Leistungsabfall, Schwindel oder Bewusstlosigkeit. Insbesondere Vorhofflimmern gehört zu den häufigsten Rhythmusstörungen und kann unbehandelt mit erheblichen Folgeerkrankungen verbunden sein.

Entsprechend breit ist die Diagnostik am Marienhof aufgestellt. Neben Ruhe- und Langzeit-EKG kommen unter anderem mobile und implantierbare Event-Recorder, Kipptischuntersuchungen und invasive elektrophysiologische Untersuchungen zum Einsatz. Auch komplexe intrakardiale Ablationen gehören seit vielen Jahren zum Spektrum der Klinik. Der veröffentlichte Qualitätsbericht des KKM weist unter anderem Pulmonalvenenisolationen, Ablationen supraventrikulärer und ventrikulärer Tachykardien sowie moderne dreidimensionale Mappingverfahren aus.

„Nicht jede Rhythmusstörung braucht einen Eingriff – und nicht jede Rhythmusstörung lässt sich nach demselben Schema behandeln“, sagt Balta. „Die Qualität liegt deshalb auch darin, sehr genau zu diagnostizieren und gemeinsam mit dem Patienten zu entscheiden, welche Behandlung medizinisch sinnvoll ist.“

Verlässlicher Partner für niedergelassene Kolleginnen und Kollegen

Ein wesentlicher Bestandteil der Versorgung ist die Zusammenarbeit mit den einweisenden Ärztinnen und Ärzten. Die Klinik versteht sich dabei ausdrücklich als Partner der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen. Befunde, Diagnostik und weitere Behandlungsschritte werden eng abgestimmt.

Gerade bei komplexen Herzrhythmusstörungen entstehen Versorgungssicherheit und Vertrauen durch diese Vernetzung zwischen hausärztlicher und fachärztlicher Betreuung, ambulanter Diagnostik und hochspezialisierter stationärer Medizin.

„Für uns endet eine gute Behandlung nicht an der Tür des Katheterlabors“, unterstreicht Balta. „Die enge Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen ist enorm wichtig. Sie kennen ihre Patienten häufig seit vielen Jahren. Wir bringen unsere spezialisierte Diagnostik und Therapie ein – und gemeinsam schaffen wir eine möglichst kontinuierliche Versorgung.“

Dr. med. Osman Balta

Hochspezialisierte Medizin in der Region

Auch für die Gesundheitsversorgung im nördlichen Rheinland-Pfalz hat die vorgesehene Leistungsgruppenzuweisung eine wichtige Bedeutung. Patienten mit komplexen Herzrhythmusstörungen können weiterhin auf spezialisierte Diagnostik und Therapie in Koblenz zurückgreifen.

Landesweit ist der Bedarf an diesen Verfahren in den vergangenen Jahren gestiegen. Im Gutachten zur Krankenhauslandschaft Rheinland-Pfalz wurden für die Leistungsgruppe EPU/Ablation im Jahr 2023 insgesamt 5.091 Behandlungsfälle ausgewiesen – rund 17 Prozent mehr als noch 2019.

Für das Katholische Klinikum Koblenz · Montabaur ist die vorgesehene Zuweisung deshalb Bestätigung und Auftrag zugleich. „Unsere Patientinnen und Patienten sollen darauf vertrauen können, dass sie bei Herzrhythmusstörungen in Koblenz eine hochspezialisierte Versorgung finden“, sagt Balta. „Die Leistungsgruppe bestätigt die Strukturen, die wir über viele Jahre aufgebaut haben. Gleichzeitig ist sie für uns Verpflichtung, diese Qualität kontinuierlich weiterzuentwickeln.“

Genau darin liegt die Bedeutung der neuen Krankenhausplanung: Medizinische Leistungen werden dort gebündelt, wo Expertise, Personal und technische Voraussetzungen nach definierten Kriterien vorhanden sind.

Für Menschen mit Herzrhythmusstörungen bedeutet das am Marienhof vor allem eines: spezialisierte Herzmedizin mit modernen Verfahren, erfahrenen Teams und verlässlichen Strukturen – mitten in der Region.